Datenschutz und Schutzkonzept

Manche unserer Klient*innen legen großen Wert darauf, anonym beraten zu werden. Ihnen dies zuzugestehen ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Darüber hinaus unterliegen wir als Mitarbeiterinnen einer Beratungsstelle gemäß den Bestimmungen nach §§ 34 und 203 des STGB der Schweigepflicht. Wir unternehmen keinerlei Schritte (etwa eine Anzeige beim LKA, Informationsweitergabe an das Jugendamt oder sonstige Absprachen mit anderen Trägern) ohne Zustimmung der Klient*innen und handeln nur in Absprache mit ihnen. Wenn uns eine Entbindung  der Schweigepflicht vorliegt, führen wir auf Wunsch auch Gespräche mit anderen Institutionen, wie etwa dem Jugendamt, Schulen, Kitas oder Rechtsanwaltskanzleien.

Die Datenschutzregeln der EU-Datenschutz-Grundverordnung und des neuen Bundes-Datenschutzgesetzes werden eingehalten.

 

Unsere Einrichtung hat im Zuge des bundesweiten Kinderschutzgesetzes ein Schutzkonzept erstellt, welches seit 2016 bei uns gesondert angefordert werden kann.

Haltung

Wir vertreten den systemischen Ansatz, der den einzelnen Menschen jeweils als Teil in einem System versteht. Auch wenn meist ausschließlich einer dieser Teile Symptome aufzeigt, bedeutet dies nicht, dass wir nur mit diesem Teil arbeiten. Ebenso sehen wir die sexuelle Gewalterfahrung nicht kontextunabhängig, sondern sehen den Menschen / die Person in seinem / ihrem Umfeld. Der humanistische Ansatz bezieht den Werdegang, Gefühle, Werte und Geschichte mit ein. Wir arbeiten mit den Ressourcen der Klient*innen und unterstützen sie wieder einen Wohlfühlzustand zu erlangen und Selbstwirksamkeit zu erleben.

Ein weiterer Aspekt unserer Haltung kommt aus der Salutogenese: - gegensätzlich zu der Frage: „Wie entsteht Krankheit?“, wird die Frage gestellt: „Welche Faktoren erhalten die Gesundheit?“. Sie stützt sich auf Forschungsergebnisse zur Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) und den menschlichen / psychischen Schutzfaktoren; sie beinhaltet stützende und stärkende Faktoren.

Zudem sind wir eine parteiliche Beratungsstelle. Das Kindeswohl steht im Fokus. Wenn benannte Tatverdächtigte oder Täter*innen eine Beratung bei uns haben möchten, verweisen wir auf Beratungsangebote für Übergriffige / Täter*innen.

In unserem Arbeitsfeld sind die Thematik der Grenzüberschreitung und der Schutz vor selbiger allgegenwärtig. Wir begegnen ihr mit unserer Haltung. Achtsamkeit, Wertschätzung, sowie Transparenz sind uns im Umgang mit unseren Klient*innen ebenso wichtig wie untereinander oder in der Selbstfürsorge. Innehalten, reflektieren, manchmal auch aushalten und miteinander tragen sind Qualitätsmerkmale unserer Arbeit. Evaluation trägt zur Weiterentwicklung und Qualitätssicherung bei, ebenso wie die Teilnahme an regelmäßigen Supervisionen und Fort- / Weiterbildungen.

Wer von einem Sexualdelikt oder einer Grenzverletzung betroffen ist, hat erlebt, dass entweder nicht auf ein ‚Nein‘ reagiert wurde, oder es konnte in den Situationen gar nicht ‚Nein‘ gesagt werden. Daher ist es uns sehr wichtig, dass die betroffenen Klient*innen in jedem Fall selbstbestimmt und freiwillig zur Beratung kommen, um keine erneute grenzüberschreitende Erfahrung zu machen.

 

Präventionsarbeit mit allgemeinbildenden Schulen

Wir bieten ab der achten Klassenstufe Prävention für Bergedorfer Schulen an. Die Altersstufe ist gewählt, da ungefähr ab diesem Alter die Möglichkeit besteht, eigenständig eine Beratungsstelle aufzusuchen. Wir wollen Schwellenängste bezüglich Beratungsstellen abbauen bzw. gar nicht erst entstehen lassen.

In geschlechtshomogenen Kleingruppen arbeiten wir zu zweit an Themen wie: ‚Was ist sexuelle Gewalt?‘, Wie ist mein Bauchgefühl bei sexuellen Grenzüberschreitungen?‘, Umgang mit Betroffenen, sowie dem Wahrnehmen der unterschiedlichen Grenzen. Vorausgehend zu diesen Gruppen arbeiten wir mit den jeweiligen Klassen- und auch Fachlehrer*innen, die den Jahrgang unterrichten. Hierbei vermitteln wir nicht nur den Umgang mit Verdachtsmomenten bzw. offen ausgesprochenen Unterstützungsbedarf einer Schülerin oder eines Schülers bei einer aktuellen Grenzüberschreitung, sondern wir fordern und fördern eine eigene Auseinandersetzung mit der Thematik. Die Fortbildung für die Lehrkräfte ist eine Pflichtveranstaltung zu einer Präventionsveranstaltung.

Uns ist bewusst, dass sich in den Gruppen betroffene und/oder übergriffige Jugendliche befinden können. Das gilt auch für die Fachkräfte in den Fortbildungen. Uns ist es wichtig, dass es während des Präventionsangebotes nicht zu einem persönlichen Outing kommt, da die Folgen nicht abschätzbar sind. Gleichzeitig bekommen die Betroffenen aber neue Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Bei von Schüler*innen benannten Übergriffen durch Lehrkräfte, die die gesamte Gruppe betreffen, entwickeln wir mit der Gruppe individuelle Handlungsschritte.

Wichtig ist uns auch, festzuhalten, dass Prävention die sexualisierte Gewalt letztendlich nicht verhindern kann. Dennoch ist das Enttabuisieren und damit auch das Sensibilisieren des Themas ein wichtiger Schritt. Die Kinder und Jugendlichen sollen informiert und in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Handlungskompetenz gestärkt werden. Sie sollen Anlaufstellen kennen lernen.

Die Verantwortung für sexuelle Gewalttaten liegt nicht beim betroffenen Kind oder Jugendlichen, sie liegt immer bei dem Täter oder der Täterin. Sich zu wehren ist ein Recht, kein Muss und auch keine Garantie auf Unversehrtheit.

Bei uns untergeordnete Ziele der präventiven Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind:

  • Allgemein gehaltene Aufklärung über Sexualität und sexualisierte Gewalt. Die Position der Kinder und Jugendlichen soll gestärkt werden. Sie sollen über ihre Rechte informiert werden und lernen, wie sie diese wahrnehmen und verteidigen können. Die Kinder und Jugendlichen sollen ein altersangemessenes Wissen über ihren Körper vermittelt bekommen und über Gefühle sprechen lernen.
  • Prävention mit Kindern im Vorschul- und Grundschulalter sollte nach unserer Vorstellung weitgehend durch Erzieher*innen, Lehrer*innen und Eltern selbst geschehen und sich im allgemeinen Erziehungsstil bzw. in der konzeptionellen Haltung widerspiegeln. Unser Fortbildungsangebot richtet sich hier an die Fachkräfte und an die Elternschule.

Fortbildungen für Fachkräfte

Dieses Angebot richtet sich an soziale, pädagogische, psychosoziale Fachkräfte, sowie angehende Fachkräfte (Weiterführende Schulen für z.B. sozialpädagogische Assistent*innen, Erzieher*innen, sowie Studierende der Universität und Fachhochschule), verstärkt auch Fachkräfte aus dem Bereich der Flüchtlingshilfe und Behindertenhilfe.

Fortbildungsveranstaltungen halten wir für unerlässlich, da sie u.a. eine wichtige Form der Prävention darstellen. Langfristig gesehen geht es uns darum, Fachkräfte soweit zu schulen, dass sie eine angemessene Sensibilität für die Thematik der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche entwickeln, ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen in diesem Zusammenhang erfahren und gegebenenfalls Intervention einleiten, sowie notwendige Unterstützung einfordern. In Krisensituationen ist ein soziales und fachliches Netzwerk besonders erforderlich.

Nach unserer Erfahrung lässt sich der Verdacht auf sexuelle Übergriffe als in­tensive Stresserfahrung für alle beteiligten Personen und Unterstützungs-Systeme verstehen (Familie, Kitas, Schule, Jugendamt, . . .). Der Grund hierfür liegt insbesondere in der Tatsache, dass die Thematik der sexuellen Gewalt verschiedene, jedem Menschen vertraute Grunderfahrungen konflikthaft verdichtet. Bei allen Personen, die mit der Thematik in Berührung kommen, werden diese mehr oder weniger deutlich wahrgenommen oder negiert. Insbesondere für Fachkräfte ist es daher wichtig, neben der sachlichen Aufklärung in einem geschützten Rahmen selbst zu erfahren, wie sie eine Konfrontation mit der Thematik erleben und in diesem Zusammenhang eigene Möglichkeiten und Grenzen erspüren, um für das Wohl der Betroffenen (und das eigene) handlungsfähig zu werden bzw. zu bleiben. Nicht alleine bleiben, Unterstützung holen bzw. annehmen können, meint hier auch die Möglichkeit, als Modell für die Betroffenen zu agieren.

Es werden Grundkenntnisse über Definition und Psychodynamik sexualisierter Gewalt vermittelt. Des Weiteren werden mögliche Folgen erlittener sexualisierter Gewalt sowie der Umgang mit den Betroffenen thematisiert.

Psychoedukation, bezogen auf die Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen (wie funktioniert (vereinfacht) das menschliche Gehirn in Notfallreaktionen) kann ebenfalls Bestandteil von einer Fortbildung sein.

Die Thematik Sekundärtraumatisierung läuft parallel mit. Hier geht es vorrangig darum, als Fachkraft die eigenen Grenzen wahrzunehmen und sich nicht zu überfordern. Beispiel (in verkürzter Form): Ein Feuerwehrmann läuft nicht ungeschützt in ein brennendes Haus. Wie sieht meine ‚Schutzkleidung‘ aus?

Ziele sind:

  • zu erkennen, ob ein Kind oder ein/e Jugendliche*r möglicherweise sexueller Gewalt ausgesetzt ist oder war, handlungsfähig zu bleiben bzw. zu werden und ggf. weitere Übergriffe zu verhindern.
  • Fachkompetenzen zu erweitern.
  • das Erkennen eigener Grenzen zu ermöglichen und dieses auch zu verbalisieren.
  • die neu gewonnenen Erkenntnisse im (Berufs-)Alltag um­setzen zu können.
  • die Teilnehmer*innen anzuregen, sich weiter mit der Thematik auseinander zu setzen.

Daraus ergeben sich folgende Grundlagen und Prinzipien:

  • Die Fortbildungen werden in der Regel von zwei Mitarbeiterinnen in Teamarbeit vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet.
  • In der Planung der jeweiligen inhaltlichen Ausgestaltung der Fortbildung stimmen wir die Wünsche der Auftraggeber*innen mit unseren eigenen Vorstellungen und beruflichen Erfahrungen ab.
  • Zeit und Umfang der Fortbildung richten sich nach dem jeweiligen Bedarf, den Wünschen der Auftraggeber*innen sowie nach unseren eigenen Kapazitäten, in der Regel nicht unter drei Zeitstunden.
  • Die Vermittlung von Wissen erfolgt zum Teil mit soziometrischen Übungen; so können A-ha Erlebnisse direkt gemacht werden, die auf Selbst-, Fremdwahrnehmung und (System)-Übertragung basieren. Selbstgemachte Erfahrungen prägen sich leichter ein, Bauchgefühle sind eindeutiger spürbar u.v.m.
  • Inhaltlich bleiben wir flexibel und können so auf aktuelle Anliegen eingehen. Fallanliegen und persönliche Betroffenheit gehören explizit nicht in die Veranstaltungen.

Langfristige, therapeutische Begleitung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (bis zum Alter von 27 Jahren)

Wir bieten langfristige, therapeutische Begleitung (im Folgenden Therapie genannt) für Kinder und Jugendliche an, auch bei psychischer und/oder geistiger Behinderung.

Bei der Therapie mit Kindern und zum Teil auch mit Jugendlichen ergeben sich nachfolgend dargestellte Besonderheiten:

  • Im Gegensatz zu erwachsenen Klient*innen werden die Kinder und zum Teil auch die Jugendlichen häufig von Eltern, Verwandten oder sonstigen Bezugspersonen wie z.B. Betreuer*innen aus Wohngruppen bei uns angemeldet, die Freiwilligkeit der betroffenen Kinder und Jugendlichen bleibt dennoch eine wichtige Voraussetzung für die Therapie.
  • In Absprache finden begleitend zur Therapie regelmäßige Elterngespräche (bzw. Gespräche mit Bezugsbetreuer*innen) statt. Der Transparenzgedanke ist hierbei besonders zu beachten. Im Idealfall sind die Kinder anwesend, bei Jugendlichen ist es in der Regel Voraussetzung. Mindestens werden jedoch die gesprochenen Inhalte transportiert.
  • Teilweise finden parallel Beratungen mit den Angehörigen oder den Bezugsbetreuer*innen statt. Diese werden jedoch nicht von der Therapeutin sondern von einer Kollegin durchgeführt, damit die Parteilichkeit gewährleistet wird, sowie die unterschiedlichen Anliegen entsprechend bearbeitet werden können.
  • Voraussetzung für die therapeutische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist, dass die sexuellen Übergriffe beendet sind (soweit wir das einschätzen können).

Ziel der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist es, den Betroffenen einen festen und sicheren Raum und Rahmen zu bieten. Das parteiliche Arbeiten der Therapeutin ist dabei ein wichtiger Aspekt. Einen zuverlässigen Schutzraum zu erleben ist ein wichtiger Bestandteil der therapeutischen Arbeit, denn nur so kann Vertrauen langsam wieder entstehen und aufgebaut werden.

Wir sehen die Klient*innen nicht einseitig in seiner/ihrer Verletzung durch die erlittene sexualisierte Gewalt, noch verfolgen wir eventuelle Aufdeckungsinteressen. Der Entwicklungsprozess des Kindes bzw. der/des Jugendlichen in allen Facetten ihres/seines Umfeldes und ihrer/seiner Persönlichkeit steht im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit. Selbstwirksamkeit wird als wesentlicher Faktor der Resilienz gesehen und ist Bestandteil im therapeutischen Prozess.

Unsere Aufgabe in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist es, die Ich-Entwicklung zu fördern, positive Veränderungen im Selbstbild zu initiieren, den Blick auf vorhandene Ressourcen zu richten und zu unterstützen, so dass diese wirksam werden können.

Gegebenenfalls beim Abbau selbstgefährdender Verhaltensweisen zu helfen und schrittweise ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper und zur Sexualität (wieder) zu erlangen.

Die Kinder und Jugendlichen sollen in unserer Einrichtung den Rahmen, die Zeit und die Betreuung finden, die sie brauchen, um Vertrauen entstehen lassen zu können, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und die erlittenen Verletzungen in Ruhe zu verarbeiten, so dass sich die Lebensqualität verbessern kann.

Oft ist die Beziehung zur Therapeutin ein erster Versuch, wieder Vertrauen aufzubauen und professionelle Bindungen zuzulassen. So können neue, positive Erfahrungen gemacht werden.

Das Ende der Therapie ergibt sich prozesshaft aus der Beziehung des Kindes/Jugendlichen zur Therapeutin und deren Einschätzung des bisherigen Therapieverlaufs.

Die Beratungsstelle bietet die Möglichkeit, dem Wunsch nach einer Pause der Therapie flexibel nachkommen zu können, ohne die Thematisierung dieses Bedürfnisses zu vernachlässigen. Eine abgebrochene Therapie kann ebenso bei Bedarf (auch nach Jahren) wieder aufgenommen werden. Sollte ein Kind oder eine Jugendliche die Therapie (aus therapeutischer Sicht zu früh) beenden wollen, so gilt es diese Entscheidung zu respektieren und gleichzeitig nach Möglichkeit eine Verabschiedungssitzung zu vereinbaren. Das Ziel ist, dass die Betroffenen lernen können, dass ihre Grenzen wahrgenommen werden (Selbstwirksamkeit) ohne dass es zum Bindungsabbruch kommt. 
Anders als bei einigen niedergelassenen Therapeut*innen entstehen keine negativen Folgen (z.B. Kostenübernahe oder Rechtfertigungsdruck) für die Klient*innen, wenn Termine nicht wahrgenommen werden. Wir sehen Kontaktverläufe mit Unterbrechungen als Prozess, in dem von den Klient*innen geprüft werden kann, ob die Therapeutin bei ihrem Bindungsangebot bleibt.

Zornrot e.V.
Vierlandenstr. 38
21029 Hamburg

Tel. 040 – 721 73 63
Email: info@zornrot.de

Unsere Telefonzeiten sind:

Mo. 10.00 bis 12.00 Uhr
Di.   14.00 bis 16.00 Uhr
Do.  09.00 bis 12.00 Uhr
Fr.   10.00 bis 12.00 Uhr

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